Und meine Erfahrungen im Track & Field und Cross Country Team

Jasper Hundertmark lebte ein Jahr den “American Dream” in Tennessee und schreibt über seine Erlebnisse, vor allem über sein Leichtathletik- und Laufteam dort an der High School.

Ich hatte schon lange den Traum, einmal in den USA zu leben. Letztes Jahr Mitte August erfüllte sich dieser Traum, und ich begab mich auf meine Reise nach Knoxville – eine Stadt von etwa 400.000 Einwohnern im Osten des Staates Tennessee. Viele Wolfsburger kennen die Region vielleicht durch die Nähe zum VW-Werk in Chattanooga, das nur etwa eine Autostunde von meinem Ort entfernt war. Meine Organisation, bei der ich mich vorher beworben hatte, hatte für mich eine Gastfamilie gefunden, in der ich mich auch schnell sehr wohlfühlte.

Gleich am zweiten Tag in den Vereinigten Staaten besuchte ich auch schon meine Highschool im Vorort Lenoir City und vieles in der Schule erinnerte mich ein wenig an amerikanische Filme, die ich gesehen hatte. Da ich ja auch beim VfB Fallersleben aktiv in der Leichtathletik-Sparte mittrainiert hatte, wollte ich unbedingt auch in dem schuleigenen Team laufen. Im Unterschied zu Deutschland haben die Schulen die Sportangebote und nicht unbedingt separate Vereine. Außerdem gibt es zwischen den verschiedenen High Schools sehr viel Konkurrenz.

Weil im Herbst aber erst die Cross Country (oft auch nur XC abgekürzt) Saison begann, fing ich damit zuerst an. Cross Country ist vergleichbar mit Laufen, jedoch wird meistens nur die 5 km, bzw. 3 mile-Distanz gelaufen, vor allem auf Wiesen oder schottrigen Untergrund und über doch nicht unerheblich hohe Hügel, wie ich später feststellen musste. Ich kam schnell in dem Team von etwa 15 Mitschülern an und ich wurde gute Freunde mit vielen. Mein Trainer nahm mich nach etwa einer Woche zu meinem ersten Wettkampf mit. Ich war sehr nervös, aber freute mich auch darüber, da ich 2020 noch keine wirklich großen Wettkämpfe mitmachen konnte wegen der Corona-Pandemie. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, aber ich glaube ich begann die Saison mit einer Zeit von etwa 24 Minuten begonnen und verbesserte mich in den nächsten Monaten in 5 Wettläufen auf 20:20 Minuten, die ich tatsächlich neben dem VW-Gelände in 

Chattanooga lief. Ich war mit meiner Zeit zwar eher durchschnittlich, aber das Feeling vom gemeinsamen Laufen und das Anfeuern ließ mich nicht mehr los und hat mich dazu gebracht, auch alleine häufiger einfach mal wieder laufen zu gehen.

In den folgenden Monaten erlebte ich auch die US-Wahl mit und vor allem im sehr konservativen Tennessee offenbarten sich vor mir die tiefen politischen Gräben in dem Land. Anfang Winter begann ich auch meinen Führerschein dort zu machen, den ich dann gegen Ende meines Jahres bekam. Mit meiner Gastfamilie verbrachte ich Weihnachten und Silvester in Florida bei meiner Gastoma und es waren schöne Wochen am Strand. Meine Gasteltern haben schon seit 20 Jahren jedes Jahr zwei Austauschschüler aus der ganzen Welt bei sich Zuhause aufgenommen – ich hatte einen italienischen Gastbruder, mit dem ich auch gut zurecht kam – und ich bin sehr froh nun ein Teil dieser großen Familie zu sein!

Jasper Hundertmark ganz rechts im orangenen T-Shirt

Im Frühjahr diesen Jahres fing dann auch endlich die Leichtathletik-Saison an. Wir trainierten fast jeden Tag nach der Schule, obwohl die eigentlichen Wettkämpfe erst im April anfingen. Diese waren oft viel größer als die, die ich in Deutschland bisher besucht hatte. Meine Trainer suchten für die Athleten die Disziplinen aus, bei denen sie glaubten, dass sie am besten sind und die meisten Punkte für das Team erreichen könnten. Ich lief die 4x100m Staffeln, sowie auch mehrmals die 400m, 400m-Staffel und 800m-Staffel. Es machte mir viel Spaß in einem Team von fast 25 Athleten zu laufen, der gemeinsame Ehrgeiz war groß und zusammen gewannen wir zwei Track Meets.

Beide Sportarten haben mir dort viel Spaß gemacht und ich freue mich auf weitere Jahre hier beim VfB Fallersleben! Rückblickend war mein Auslandsjahr ein voller Erfolg, da es mich selbstständiger und selbstbewusster gemacht hat – alleine in ein fremdes Land zu ziehen ist nicht immer einfach. Zweifel, wie mein Leben dort durch die Corona-Pandemie und meiner Diabetes-Erkrankung hätte beeinflusst werden können, blieben nur Zweifel. Auch wenn es einige Einschränkungen im ersten Halbjahr durch Covid gab, konnte ich trotzdem viele Dinge erleben und lernen. Man wird nur das bereuen, was man nicht gemacht hat.

Ich habe viele meiner Erfahrungen auf Instagram geteilt unter @jasper.hdmk und ich bin immer gerne offen für Fragen zu einem Auslandsjahr 🙂